Kann es sein, dass ich dich liebe?

Veröffentlicht auf von bEcCa

"Kann es sein, dass ich dich liebe?", tröpfelte es aus ihr heraus.

Beide sahen sich fragend an. Er betrachtete ihr Gesicht ganz genau, denn er konnte sich nicht erklären, wie sie die Frage ( ernst) gemeint haben könnte. Doch ihre Augen waren weit geöffnet und ihr Mund blieb ernst. Sie starrte ihn förmlich an, als könnte sie in seinen Augen und dem Rest seines Gesichts eine Antwort finden.

 

Doch was für eine Antwort sollte er geben? Wonach fragte sie? Ob es möglich sei ihn zu lieben, ob es ihm gefiehle, wenn sie es täte oder wollte sie wissen, ob sie dazu fähig sei?

Gab es denn auf eine solche Frage überhaupt eine Antwort und wenn ja, gibt es eine richtige oder eine falsche Antwort? Gab es NUR falsche Antworten?

 

Er überlegte, ob es eine dieser Fragen war, die Frauen nur stellten, um Männer an den Rand der Verzweiflung zu treiben. Wie zum Beispiel, wenn sich Frau ein neues Kleid kauft, das offensichtlich zu klein ist( denn sie würde ja sicherlich noch abnehemen), es dann anprobierte, um Mann das neue Stück zu zeigen, und dann fragte, wie es an ihr aussähe. Abgesehen davon, dass es keine Rolle spielen würde, wie toll und gut Frau aussieht, weil dieses Kleid bewusst zu klein gekauft worden war, war es doch gerade eine dieser Fragen, die Mann in eine unangenehme Situation bringt. Immer. Egal, wie Mann auch immer geantwortet hätte es wäre falsch. Entweder, weil er sich als Heuchler(, denn Frau wusste ja, dass das Kleid viel zu klein ist) oder, weil er sich als gefühlskalter Lump(, denn Mann hätte Frau als dick bezeichnet) outen würde.

 

Also was sollte er antworten auf ihre Frage: "Kann es sein, dass ich dich liebe?"

Und eine Antwort erwartete sie doch offensichtlich. Überspielen war sinnlos geworden, denn dafür hatte er nun schon zu lange gezögert. Er bemühte sich ein nachdenkliches Gesicht zu machen, damit sie nicht auf die Idee kam, dass er es ausschweigen wolle. Wollte er jedoch nur zu gern. Er wollte auch nicht in irgendeine Falle tappen, doch schon geschehen- keine Rettung mehr in Sicht.

 

Sie saß ihm immernoch fragend gegenüber und rührte sich nicht. Nichts an ihr ließ auf eine mögliche Antwort schließen. Sie hatte ihn erwischt. Hätte sie gefragt: " Darf ich dich lieben?" Die Antwort wäre leicht: "Ja." Oder hätte sie gefragt:" Liebst du mich?" Die Antwort wäre sicher schwerlich, aber mindestens: " Ich mag dich sehr und die Zeit mit dir ist wundervoll." Oder hätte die Frage "Kann man dich lieben?" gelautet, dann hätte er wenigstens zwischen seinen guten und nicht so guten Eigenschaften abwägen können. Aber so?

 

Er ging in sich. Versuchte herauszufinden, was er genau für sie fühlte. Er fühlte sich immer wohl mit ihr, die Zeit war immer schön. Er genoss es mit ihr zusammen zu sein. Er liebte es Zeit mit ihr zu verbringen. Ja, das liebte er. Sie hatte ein tolles Wesen und auch optisch gefiehl sie ihm gut. Dennoch war er ratlos. Er kannte einfach keine Antwort auf diese Frage und konnte auch keine finden.

 

Er betrachtete sie und lächelte, wartete, ob diese Handlung etwas an ihrem Ausdruck ändern würde.

Der Ernst und die Frage waren aus ihrem Gesicht verschwunden.

Er nahm ihre Hand und küsste ihre Finger. Noch eine ganze Weile sahen sie sich lächelnd an und beide wussten:

 

Wir lieben den Moment, in dem wir zusammen sind.
Unser Glück ist, wenn wir zusammen sind.
Mehr müssen wir nicht wissen.

 

 

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Auf manche Fragen brauchen wir keine Antwort. Manchmal reicht allein dies- die Frage zu stellen.

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